Fairplay-Liga für G- und F-Junioren

Sicherheitsabstand für die Eltern

Offenbach - Der Probelauf ist geglückt, die Vorbehalte weitgehend ausgeräumt. Mit der Einführung der Fairplay-Liga geht der Fußballkreis Offenbach neue Wege. Dabei schlüpfen die Nachwuchskicker in die Rolle der Schiedsrichter. Von Jörn Polzin

„Wir werden die Kinder aber nicht ihrem Schicksal überlassen“, betont Kreisjugendwart Jürgen Uhlein. Eltern am Spielfeldrand, die lautstark und wild gestikulierend auf die Kicker einwirken. Tumulte auf und abseits des Rasens, die Schiedsrichter kaum noch unter Kontrolle bringen. Kinder, die nicht wissen wie ihnen geschieht. Das sind Szenen, die sich auf den Sportplätzen der Region (zu) häufig abspielen. Selbst bei Fußallspielen der F- und G-Jugend.

Jürgen Uhlein kennt die Bilder, vor denen er sich nicht verschließen kann. Weder als Schiedsrichter und Vorsitzender des B-Ligisten HFC Bürgel noch in seiner Funktion als Kreisjugendwart. Die Störfaktoren sind ausgemacht. „Das Geschrei kommt von draußen, die Eltern müssen lernen loszulassen“, betont Uhlein. Doch das fällt einigen schwer. So will der Offenbacher Fußballkreis mit der Einführung der Fairplay-Liga ein Zeichen setzen. „Wir wollen den Kindern den Spaß am Fußball zurückgeben und sie von dem Druck der Eltern befreien“, sagt Uhlein.

Diesen Vorsatz hatte auch Ralf Klohr, als er 2007 die Fairplay-Liga gründete, die sich vom Fußballkreis Aachen aus in fast ganz Deutschland etabliert hat. „Die Fairplay-Liga ändert keine Spielregel und nicht das Spiel. Die Regeln ändern nur die Rahmenbedingungen und beruhigen die Emotionen rund um das Kinderfußballspielfeld“, so Klohr.

Kinder entscheiden selbst

Königregel ist die Schiedsrichterregel. Die Kinder entscheiden selbst, lernen eigenständig Regeln zu beherzigen und Konflikte zu lösen. Bei strittigen Entscheidungen haben die Trainer, die gemeinsam in der Coachingzone stehen, das letzte Wort. Sie sollen nur die nötigsten Anweisungen geben und sich als Vorbilder verstehen.

Auch für die Eltern heißt es künftig: Abstand halten. Durch eine etwa 15 Meter vom Spielfeld entfernte „Eltern-/Fan-Zone“ wird die direkte Ansprache an die Kicker unterbunden. „Die 15 Meter sind nur ein Richtwert und hängen natürlich von den Begebenheiten des Sportplatzes ab“, erklärt Uhlein.

Neu ist auch das verkleinerte Spielfeld, auf dem sich sechs Feldspieler pro Team plus Torwart tummeln. Die begrenzte Fläche soll das Zusammenspiel fördern. Heißt: Mehr Ballkontakte, weniger Alleingänge. „Wenn ein Spieler mit dem Ball vom eigenen Strafraum bis zum gegnerischen Tor läuft und einschießt, hat das mit Mannschaftssport wenig zu tun“, erklärt Uhlein und verweist auf eine weitere Änderung, die den Fairplay-Charakter unterstreichen soll. So können dezimierte Teams künftig auch Ersatzspieler vom Gegner einsetzen, um spielfähig zu sein. „Das ist jetzt im Regelwerk festgehalten, es muss also kein Verein eine Strafe fürchten“, erklärt Uhlein. Was bei den Freizeitkickern funktioniere, müsse auch im Vereinsfußball klappen. „Die teilen sich in Gruppen ein, kicken und haben einfach Spaß an der Sache.“

Genau diese Spielfreude soll mit der Fairplay-Liga zurückkehren. Wobei der Begriff „Liga“ zu relativieren ist. Es gibt weder Punkte zu verteilen noch eine Tabelle. Die Herbstrunde setzt sich aus sogenannten Spaßturnieren zusammmen. Die Ergebnisse entscheiden über die neue Gruppeneinteilung für die Frühjahrsrunde. „So können wir steuern, dass die stärkeren und weniger starken Teams unter sich bleiben“, erläutert Uhlein. Die besten drei Mannschaften qualifizieren sich für das große Endturnier im Juni 2015.

In sechs Kreisen wird bereits nach den Regeln der Fairplay-Liga gespielt. Im Fußballkreis Dieburg gehen bei den G-Junioren sechs Mannschaften auf Torejagd. Kreisjugendwart Jochen Bäcker sind noch keine Klagen zu Ohren gekommen. Auch in Hanau wird die Liga ab der neuen Spielzeit bei F- und G-Junioren eingeführt. Nun also auch Offenbach. Die Testläufe bei den Kreisturnieren stimmen Uhlein zuversichtlich. Mit einem Selbstläufer rechnet er aber nicht. So mussten die Verantwortlichen im Vorfeld einige Vorbehalte ausräumen. „Die Kinder werden teils arg beeinflusst von den Eltern“, sagt Jens Krostewitz, Jugendleiter vom TSV Heusenstamm, „die Frage ist nur, ob das Konzept ausgereift genug ist, um der Praxis stand zu halten.“ Biebers Thorsten Kraus sieht den Verband in der Pflicht, die Eltern durch Aktionen gezielt für das Konzept zu sensibilisieren.

Uhlein kann die Bedenken nachvollziehen. Schließlich stehe und falle das Modell mit der Durchsetzungskraft der Trainer. „Einige fragen sich natürlich: Trauen wir uns zu, die Eltern in die Schranken zu weisen?“ Bei den ersten „Liga-Spielen“ werden Vertreter des Fußballkreises deshalb vor Ort sein und Hilfestellungen geben. Denn die Wahrheit liegt bekanntlich auf dem Platz.

Die Fairplay-League startet am Wochenende, 13. und 14. September. Bei den G-Jugendlichen sind 32 Mannschaften am Start. Beim HFC Bürgel beginnt das Turnier am Samstag um 10 Uhr, bei der Susgo Offenthal am Sonntag (13 Uhr). Bei der F-Jugend sind 46 Mannschaften am Ball. Die Ausrichter sind: SSG Langen (Sa., ab 9 Uhr), BSC Offenbach (Sa,, 10 Uhr) und Susgo Offenthal (Sa., 14 Uhr).

Quelle: Offenbach-Post (Link zum OP-Online Artikel)

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